Borussia am Rhein – ein Zusammenprall

Johann Wilhelm Schirmer, Blick auf Jülich von Südwesten, 1822, Aquarell und Federzeichnung auf Karton, Museum Zitadelle Jülich, Inv.-Nr. 2004-0009, © Museum Zitadelle Jülich
Johann Wilhelm Schirmer, Blick auf Jülich von Südwesten, 1822, Aquarell und Federzeichnung auf Karton
Museum Zitadelle Jülich, Inv.-Nr. 2004-0009, © Museum Zitadelle Jülich

In Jülich und Leverkusen hat die Doppel-Ausstellung ‚Das Preussische Jahrhundert‘ eröffnet. In den hundert Jahren ab 1815 war die Gesellschaft im Umbruch. Die Ausstellungen zeigen bis zum 18. Dezember 2016 die Umwälzungen und Errungenschaften einer beinahe vergessenen Zeit.

Preußischer Unteroffizierhelm, 1897 bis 1918, Museum Zitadelle Jülich, © Bernhard Dautzenberg
Preußischer Unteroffizierhelm, 1897 bis 1918
Museum Zitadelle Jülich, © Bernhard Dautzenberg

Nachdem Napoleon sein Waterloo erlebt und der Wiener Kongress den Preußen die Rheinlande zugesprochen hatte, sprach König Friedrich Wilhelm III. von Preußen im April 1815: „So habe ich denn, im Vertrauen auf Gott und auf die Treue und den Mut meines Volkes, diese Rheinländer in Besitz genommen und mit der preußischen Krone vereinigt.“

So kam es, dass rheinischer Frohsinn und preußische Disziplin aufeinander prallten. Scheinbar nicht miteinander vereinbar, brachte diese Allianz dennoch Strukturen zustande, die unser Leben bis heute beeinflussen.

Das populärste Beispiel ist wohl der Fußball: ‚Borussia Dortmund‘ oder ‚Borussia Mönchengladbach‘ gäbe es ohne die Preußen nicht – denn das lateinische Worte ‚Borussia‘ bedeutet nichts anderes als ‚Preußen‘. Und so hieß auch zwischen 1820 und 1840 die preußische Nationalhymne. Die ‚Borussen‘ gaben der Verwaltung neue Strukturen, die allesamt 2016 ihr 200-jähriges Jubiläum feiern können. Beispiele: der Kölner Dom wurde fertiggestellt, ein dauerhaft fortwirkendes Schulwesen ins Leben gerufen …

Historisches Altes Landratsamt © Ernst Küchler, Original Stadtarchiv Leverkusen
Historisches Altes Landratsamt © Ernst Küchler, Original Stadtarchiv Leverkusen

Gerne bezeichnet man das 19. Jahrhundert als die ‚gute alte Zeit‘. Das ist nicht ganz falsch; denn es wurde ein Höchstmaß an Problemen kreativ gelöst. Die Auswirkungen sind bis in unsere Gegenwart zu spüren.

Zwei Jahre Forschungsarbeit haben die Geschichtsvereine von Jülich und Opladen investiert, um die Doppel-Ausstellung zu konzipieren. „Hier wird Geschichte erlebbar“, sagt Manuel Bast von der Bürgerstiftung Leverkusen.
‚Das Preussische Jahrhundert – Jülich, Opladen und das Rheinland zwischen 1815 und 1914‘ lautet der Titel.

Johann Weiermann, Blick auf Jülich von der Merscher Höhe aus, um 1825, © Museum Zitadelle Jülich
Johann Weiermann, Blick auf Jülich von der Merscher Höhe aus, um 1825, © Museum Zitadelle Jülich

Im Mittelpunkt der Doppelausstellung stehen die Menschen sowie die Probleme der Industrialisierung und ihrer Auswirkungen auf die Natur: Die strategisch wichtige Festungsstadt Jülich war der Sitz einer Garnison und lag verkehrsgünstig an einer viel benutzten Transitstrecke von Köln in Richtung Niederlande. Opladen war eine kleine Ackerbürgerstadt von zunächst lokaler Bedeutung, die aber, als sie zum Knotenpunkt dreier wichtiger Eisenbahnlinien wurde, im Laufe des 19. Jahrhunderts einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte, während Jülich nach und nach den Anschluss verlor.

Blick über die Bahnanlagen der ehemaligen Rheinischen Eisenbahngesellschaft auf Opladen mit Rathaus sowie katholischer und evangelischer Pfarrkirche Ende des 19. Jahrhunderts, © Bildarchiv OGV
Blick über die Bahnanlagen der ehemaligen Rheinischen Eisenbahngesellschaft auf Opladen mit Rathaus sowie katholischer und evangelischer Pfarrkirche Ende des 19. Jahrhunderts, © Bildarchiv OGV

Für Georg Mölich vom Landschaftsverband Rheinland ist die Zusammenarbeit der beiden Geschichtsvereine „ein Pilotprojekt, das hoffentlich Schule macht“, und Martina Grote von der NRW-Stiftung lobt: „Die beiden Vereine haben verstanden, dass Geschichte für die meisten Menschen erst dann wirklich greifbar, anregend und spannend wird, wenn sie etwas mit dem eigenen Leben zu tun hat.“

Das Forschungs- und Ausstellungsprojekt, das unter der Schirmherrschaft der Kölner Regierungspräsidentin Gisela Walsken steht, wird vom Land Nordrhein-Westfalen, dem Landschaftsverband Rheinland und der NRW-Stiftung Natur – Heimat – Kultur sowie lokalen Sponsoren gefördert und widmet sich den zwei Städten Jülich und Opladen, die für das Rheinland typisch sind und die unterschiedlichen Entwicklungen des Jahrhunderts aufzeigen.

Eine Hörstation, digitalisierte Hör-Guides, die als Smartphone-APP abgerufen werden können und ein umfangreiches Begleitheft ermöglichen bis zum 18. Dezember den einfachen Zugang zum Thema.

Text: Pro Classics / repor-tal

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics

Informationen: www.preussisches-jahrhundert.de

Adresse: Villa Römer – Haus der Stadtgeschichte, Haus-Vorster Str. 6, 51379 Leverkusen (Opladen)
Telefon: 02171 / 4 78 43
Öffnungszeiten: samstags 15 bis 18 Uhr, sonntags 11 bis 16 Uhr, nach Absprache auch zu anderen Zeiten
Eintritt: 4 Euro (Kombi-Ticket 6 Euro)

Adresse: Museum Zitadelle Jülich, Schloss-Strasse, 52428 Jülich
Telefon: 02461 / 93 76 80
Öffnungszeiten: montags bis freitags 14 bis 17 Uhr, samstags, sonntags und feiertags 11 bis 18 Uhr (ab November samstags 14 bis 17 Uhr und sonntags 11 bis 17 Uhr)
Eintritt: 4 Euro (Kombi-Ticket 6 Euro)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.