Ein Herz für den Tanz

© repor-tal
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Wuppertal ist berühmt für den Tanz und das Tanztheater.Dazu hat auch das Seniorentanztheater Claudio li Mura beigetragen. Jetzt tritt das Ensemble erstmals auf der Opernbühne auf. Gazhebo heißt das Stück, das schon erfolgreich in Solingen und Gummersbach gezeigt.

Claudio li Mura © Thomas Luther
Claudio li Mura © Thomas Luther

„Ich habe mich schon immer für das Tanztheater interessiert, viele Workshops habe ich gemacht und war davon begeistert. Aber die Jahre vergingen und wir wurden älter. Da kam mir die Idee, mit älteren Herrschaften etwas anderes zu machen.“ Claudio li Mura (Jg. 1951) widmet seine ganze Leidenschaft dem Ausdruckstanz – das merkt man auch im Gespräch mit ihm. Er spricht bewegt, nicht nur mit der Stimme, sondern auch mit Mimik und Gestik.

Tanz voll emotionalem Ausdruck und Freude. © repor-tal
Tanz voll emotionalem Ausdruck und Freude. © repor-tal

Als Claudio li Mura 2012 mit seiner Idee an den Start ging, machten gleich 25 begeisterte ältere Tänzer mit: „Ich wollte mit den Gefühlen der Leute arbeiten“ erklärt der Choreograph. „Wir haben angefangen mit einem Spiel, bei dem ich den Ausdruck aus meinen Tänzern sozusagen heraus gekitzelt habe.“ Einige mussten aus Alters- oder anderen Gründen aufhören. Viele sind aber geblieben. Die Truppe ist inzwischen eine Gemeinschaft, die viel Vertrauen zueinander entwickelt hat. „Wir sind ein tolles Team“, so li Mura. „Und neue Tänzer werden bei uns immer herzlich aufgenommen.“ Ein paar Herren wären noch gefragt. Für die Damen gibt es inzwischen schon eine Warteliste.

Das Seniorentanztheater bei einer Aufführung in der Ausstellungshalle des Skulpturengartens. © Thomas Luther
Das Seniorentanztheater bei einer Aufführung in der Ausstellungshalle des Skulpturengartens. © Thomas Luther

Das Seniorentanztheater kann auf beachtliche Erfolge zurückblicken und hat auch in dieser Saison viel vor. Doch leider, so li Mura, gebe es kaum Unterstützung seitens der Stadt Wuppertal.“Mein größter Wunsch wäre es, mehr Anerkennung von der Stadt zu bekommen.“ Er denka da etwa an die Möglichkeit, die Bühne der Oper zu nutzen oder etwa deren Kostümfundus. Voriges Jahr habe er ein Angebot aus Solingen erhalten, dort eine Tanztheatergruppe aufzubauen. „Alles sollte gestellt werden. Wir hätten die Räume im Theater- und Konzerthaus nutzen können und hätten auch Kostüme bekommen und vieles mehr.“ Doch li Mura lehnte ab: „Ich wollte doch meine Gruppe in Wuppertal nicht im Stich lassen und auch keine Konkurrenz schaffen.“ Ob er es bereut? „Natürlich in Hinsicht auf die verpasste Unterstützung. Aber nicht wegen des Ensembles“, sagt er ganz rührend, „Wir sind doch eine Familie geworden.“
Sein Lob gilt Johanna Niedermüller vom Nachbarschaftsheim, wo sich das Seniorentanztheater zu den Proben trifft. „Frau Niedermüller ist ein Engel“, strahlt li Mura. „Sie hilft uns, wo sie nur kann.“ Aber er gebe auch nicht die Hoffnung auf, dass er eines Tages auch von der Stadt Wuppertal mehr Unterstützung bekommt. Was für li Mura an erster Stelle steht? „Ich will Freude vermitteln.“

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Bei der Ausstellungseröffnung im Elberfelder Rathaus © repor-tal

Vielleicht kann er die Entscheidungsträger mit der Aufführung von ‚Gazhebo‘ im Opernhaus am 19. Mai 2016 um 19.30 Uhr überzeugen. Gazhebo, gesprochen Gaschebo, ist ein von Claudio li Mura erfundener Name, der für deutsche Ohren fremd, aber nicht nach einer bestimmten Sprache klingen soll. „Mit dem Stück möchte ich auch auf die momentane Situation hinweisen, auf den Flüchtlingszufluss und die schon lange integrierten Mitbürger aus anderen Ländern.“

Die Proben für das neue Stück sollen im Oktober beginnen.

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung von Claudio li Mura

Informationen: www.seniorentanztheater.com

Kommentare 1

  • Lieber Herr liMura und alle Tänzerinnen und Tänzer,

    als Sie bei uns im Nachbarschaftsheim anfragten, ob Sie unseren Saal als Probenraum nutzen können, war es uns eine große Freude, Ihrem Wunsch entsprechen zu können. Schließlich wurde im Nachbarschaftsheim schon immer getanzt. In den 50er Jahren Rock’n Roll, jetzt Tango, Linedance und Seniorentanztheater.
    Sie und Ihre Tänzerinnen und Tänzer leisten einen wertvollen Beitrag zu einer „Kultur des Alterns“, die mit den herkömmlichen Altersbildern – Kaffee, Konsum und Kreuzfahrten – unerschrocken bricht, zum Nachdenken über das gelebte Leben anregt und Mut macht, nach Familie und Beruf die Weichen völlig neu zu stellen.
    Sie alle sind eine große Bereicherung für unsere Stadt!
    Weiterhin viel Erfolg (auch wenn Sich vielleicht gelegentlich von selbigem überrollt fühlen)!

    Johanna Niedermüller
    Nachbarschaftsheim Wuppertal

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